HF440W (german)

Allgemein bekannt sind die Tragödien von Warszawa, Rotterdam, Coventry, die Tatsache dagegen, dass Wieluń schon in der ersten Stunde am ersten Tag des Ausbruchs des II. Weltkrieges durch die Luftwaffe fast völlig zerstört wurde.

Zu Anfang des Jahres 1939 war Wieluń eine kleine Kreisstadt mit 15 689 Einwohnern, unter denen die Juden ein Drittel bildeten (Stand vom 31. Dezember 1938). Es gab in der Stadt fast keine Industrie, nur einige Műhlen. Die Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft, dem Handwerk und Handel. In Wieluń stand kein Polnisches Heer, das in Hinsicht auf die nahe Nachbarschaft der deutsch – polnischen Grenze keine geringste Sperre im System der polnischen Grenzraumverteidigung, als auch keine Versorgungsbasis fűr die polnische Truppen war. Auf einmal geschah es das, was kaum zu erwarten war. Wer hätte das gedacht, dass eine wehrlose, offene Stadt hätte angreifen werden können! Hier gab es weder am 1. September noch noch frűher keine polnischen Heerestruppen. Am Kriegsvortag verbreitete sich in der Stadt beharrlich das gerűcht, dass eben am 1. September ein Probe – Flugalarm fűr die Mitglieder des Luft – und Gasabwehrbundes stattfinden sollten (LOPP); die Einwohner waren deshalb űberzeugt, dass der Sirenenklang ein Signal fűr den Űbungsalarm wäre. Die Wirklichkeit wurde aber schrecklicher, als dass man nur sich vorstellen könnte. Deutschte Jagt – und Bombergeschwader fliegen eine Schleife űber die im Schlaf versunkene Stadt, senkten den Flug und begannen das dicht bebaute Stadtzentrum zu beschießen. Spreng – und Brandbomben wurden abgeworfen. Viele Gebäude gerieten in Brand; die von Entsetzen und Grauen ergriffenen Leute liefen auf die Straßen und Pläze heraus. Gellende Schreie der Verzweiflung und hoffnungslose Hilferufe zerrissen die Luft. Währenddessen flogen Jagdflugzeuge űber die Stadt und beschossen mit Bordwaffen fliehende Männer, Frauen und Kinder.

Kurz nach dem ersten ganz unvorhergesehenen Luftangriff kehrten Bomberflugzeuge zurűck und begannen wieder Bomben abzuwerfen. Das ganze Stadtzentrum lag in Schutt und Asche; Tausende von Verletzten und Toten wurden von Trűmmern erdrűckt.
Es ist bezeichnend, dass die im II. Weltkrieg ersten Bomben auf das Allerheiligen -Krankenhaus, abgeworfen wurden, obwohl es mit den Zeichen des Roten Kreuzes kenntlich gemacht war. Hier spielte sich das erste Drama der Wieluner Einwohner ab, hier kamen die ersten von ihnen ums Leben; 32 Personen, darunter 26 Kranke erlitten erlitten hier den Tod.

Zerstörende Luftangriffe auf Wieluń fűhren die Sturzbomberflieger durch, die zum 2. Regiment von Immelmann gehörten, unter dem Befehl des Majors Oskar Dinort – dem bekannten deutschen Sportpiloten aus der Vorkriegszeit und die 1. von Walter Siegel befehliegte Division des 76. Regimentes der Sturzbomber. Die genannten Flugverbände waren dem Luftwaffenkommandanten fűr Sonderaufgaben – dem General Wolfram von Richthofen unterstellt. Seine Soldaten dienten schon bei der Legion – „Condor”, die sich mit dem Massenmord an der Zivilbevölkerung während des Bűrgerkrieges in Spanien und besonders mit der Zerstörung von Guernica „berűhmt” machten. Dieselben Luftfahrer fűhrten am 4. September einen Luftangriff auf die Zivilbevölkerung von Sulejów durch.

Infolge der mehrmaligen Luftangriffe lag etwa 75% Stadtbebauung in Trűmmern. Wie sah die Stadt nach den Angriffen aus? Die Augenzeugen bezeichnen das als ein Schreckbild. Die ganze Stadt ging in Flammen auf, die wehrlose Zivilbevölkerung wurde umgebracht, polnische Kulturdenkmäler – vernichtet. Wieluń wurde auch von einen untersetzlichen Verlust an Menschen betroffen. Wir sind nicht imstande, diese Verluste genauer zu bestimmen. Die Ursache dafűr, dass wir nicht imstande, die genaue Zahl der infolge der Luftangriffe und der Beschießung aus der Bordwaffe getöteten Einwohner von Wieluń zu bestimmen, war die Tatsache, dass der Angriff auf die im Schlaf versunkene, wehrlose Stadt ganz unvermutet folgte.

Das Schicksal von Wieluń unterscheidet sich jedoch von den Tragödien einer Menge der durch Bombenangriffe getroffenen europäischen Städte; dass resultiert nicht nur aus der Tatsache, dass die Stadt Wieluń in der ersten Stunde am ersten Kreistag schon zu 75% vernichtet wurde (Menschenverluste und Kulturerbe), sondern auch vor allem daraus, dass keine andere Stadt mehr so unversehens, in den Bedingungen unerklärten Krieges angegriffen wurde. Die Einwohner von anderen angegriffenen europäischen Städten waren eventueller Gefährdung schon bewusst; psychischwaren sie auf das etwaige Unglűck vorbereitet. Wieluń dagegen wurde angegriffen, ohne dass man den Krieg erklärt hatte – in den Friedensbedingungen.

Die Quelle: prof. Tadeusz Olejnik

Die Bearbeitung: Anna SP7VV’s YL

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